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Geschichtliches

Die Anfänge
Der Zusatz im Namen des TSV Uetersen von 1898 e.V. legt die Vermutung nahe, in diesem Jahr fand eine Gründungsversammlung unseres Vereins statt. Tatsächlich aber wurde der Verein erst am 3. Februar 1946 gegründet.

An diesem Tag trafen sich die Vorstände der Vereine „Uetersener Turnerschaft“, „Freie Turnerschaft“ und „Rasensport Uetersen von 1926“ und beschlossen – „gemäß dem Wunsch der Militärregierung“ – sich zu einem Verein zusammenzuschließen. Der Verein erhielt den Namen „Uetersener Turn- und Sportverein von 1898″….Es ist nicht überliefert, weshalb im Vereinsnamen das Jahr 1898 gewählt worden ist. Wahrscheinlich wurde das Jahr der ersten Bestrebungen zur Bildung eines Arbeiterturnvereins gewählt, der aber erst zwei Jahre später gegründet wurde.

Uetersener Turnerschaft
Der älteste der drei an der Gründung des TSV beteiligten Vereine wurde 1884 endgültig ins Leben gerufen, nachdem erste Anfänge 1863/66 noch nach kurzer Zeit wieder eingestellt wurden. Bis 1909 hieß der Verein Turnverein Eintracht.

Neben dem klassischen Turnen im Sinne von Turnvater Jahn wurde ab etwa 1905 auch das Schlagballspiel und volkstümliche Wettbewerbe in Disziplinen wie Dreisprung, Hangeln, Steinstoßen, Stabhochsprung, Weithochsprung, Gewichtstemmen oder Ringen veranstaltet. Man richtete mehrere „Gauturnfeste“ aus (mit bis zu 600 auswärtigen Turnern!). Ab 1892 gab es auch einen Spielmannszug. Wichtiges gesellschaftliches Ereignis war der jährliche Turnerball.

Während des 1. Weltkrieges kam der Turnbetrieb nach und nach zum Erliegen, aber gleich nach dem Krieg began das Vereinsleben wieder. Trotz aller wirtschaftlichen Probleme in den 20er Jahren (während der Inflation wurde der Beitrag zeitweise in Form von Eiern erhoben!) stieg die Mitgliederzahl von 277 (1920) auf 472 (1932).

Zu dieser Steigerung der Mitgliederzahlen trug sicherlich die Schaffung einer „Damenabteilung“ 1919 erheblich bei. Im Kaiserreich hatten die Männer sich noch erfolgreich gegen alle Bemühungen der Frauen, ebenfalls sich sportlich im Verein zu betätigen, gestemmt.
Wie groß der Bedarf einer Frauenabteilung war, zeigt sich an dem enormen Andrang. Bereits nach einem Monat hatten die Damen 52 Mitglieder. Ab 1922 durften sich neben den Knaben auch die Mädchen turnerisch betätigen.

Neben dem klassischen Turnen und dem Spielmannzug gab es im Verein fünf Handballmannschaften, drei Schlagball- und vier Faustballmannschaften.
Ab 1927 wurde nach Fertigstellung des Hallenbades die Schwimmsportabteilung gegründet, die sich schnell regen Zulaufes erfreuen konnte.

Freie Turnerschaft
Nachdem 1893 in Deutschland der Arbeiter-, Turn- und Sportbund als sozialdemokratisches Gegenstück zur bürgerlichen Turnbewegung gegründet wurde, kam es 1898 auch in der Uetersener Turnerschaft zu politischen Spannungen, als viele Turner die Mitwirkung an der 50-Jahr Feier anläßlich der Unabhängigkeitserklärung der Herzogtümer Schleswig und Holstein (Erhebungsfeiern) ablehnten. Da alle Unterlagen über den Arbeiterturnverein 1933 vernichtet wurden, sind keine genauen Daten über die Gründung mehr vorhanden. Sicher ist aber, daß die Gründung im Jahre 1900 unter dem Namen Arbeiterturnverein „Jahn“ erfolgte.

Eine Radfahrabteilung und die Athletenriege machten sich schnell selbstständig, so daß nur die Turner bis zur Auflösung durch die Behörden 1914 im Verein verblieben.

Nach dem Krieg wurde der Turnbetrieb schnell wieder aufgenommen. In der Weimarer Republik gab es auch keine Restriktionen mehr für Arbeitersportvereine, so daß die Mitgliederzahlen rasch stiegen und schon 1920 (ohne Jugendliche) 200 Mitglieder gzählt werden konnten.
Im Verein, der sich in Freie Turnerschaft umbenannt hatte, gab es neben dem Turnen auch Fußball und einen Spielmannszug. Auch hier wurde nach der Eröffnung der Schwimmhalle eine Schwimmabteilung gegründet.
Seit 1900 bestanden nun zwei Turnvereine in Uetersen. Im Volksmund sprach man von „roten“ und „blauen“ Turnbrüdern. Das Verhältnis zueinander war aber gar nicht so brüderlich. Sportliche Kontakte wurden nicht gepflegt und auch sonst ging man sich aus dem Weg. Die sportlichen Ideale glichen sich, Trennungslinie aber waren die unterschiedlichen politischen Auffassungen.
Mit Beginn des Naziregimes 1933 wurden die Arbeitersportvereine schnell verboten.

Rasensport Uetersen
Im Jahre 1912 gründeten Fussballbegeisterte den Sportverein Uetersen von 1912. In schwarz-weißer Spieltracht wurde bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs nicht nur Fussball, sondern auch Faust- und Schlagball gespielt, sowie Leichtathletik betrieben. Nach dem Krieg schloß sich der Verein kurzzeitig (1919/20) der Uetersener Turnerschaft an. 1926 löste sich der Verein auf, vermutlich aufgrund der schlechten Wirtschaftslage.

Aber bereits im selben Jahr wurde der Verein Rasensport Uetersen von 1926 gegründet. Auf dem städtischen Sportplatz wurde in drei Herren-, zwei Junioren- und zwei Schülermannschaften gespielt. Auf dem selben Platz spielten auch die Mannschaften der Freien Turnerschaft, doch Spiele gegeneinander waren verboten! Die Bedingungen waren am Anfang recht schwierig, mußten die Tore doch zu jedem Spiel auf- und wieder abgebaut und die Umkleideräume privat organisiert werden. 1931 wurde der private Sportplatz „Eichenkamp“ (Eigentümer Clubwirt Curt von Stamm) eingeweiht und der Verein hatte jetzt wesentlich bessere Bedingungen. Dieser Platz wurde bis 1960 genutzt und hat so manche „Fußballschlacht“ gesehen.
Nach dem Verbot der Freien Turnerschaft 1933 rollte der Ball noch bis 1940 bei Rasensport Uetersen.

1933 – 1945
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde auch der gesamte Sportbetrieb gleichgeschaltet. Die Arbeiterturn- und Sportvereine, der SPD und KPD nahestehend, wurden verboten, alle noch zugelassenen Vereine zwangsweise Mitglieder im Reichsbund für Leibesübungen.
Während die Fußballer von Rasensport noch vom Bau des Flughafens und der damit geschaffenen Garnision profitierten, indem dort stationierte Soldatem als Spieler gewonnen werden konnten, stagnierte die Turnerschaft. Der Spielmannszug spielte im wöchentlichen Wechsel in SA-Uniform und Turntracht. Das Amt eines „Wehrturnwarts“ wurde eingeführt. Die Mitgliederzahlen gingen bis 1937 auf 154 zurück, nicht zuletzt weil Kinder und Jugendliche vor allem in Hitlerjugend und anderen NS-Organisationen erfasst wurden. Trotdem wurde das Kinderturnen noch bis 1941 weitergeführt. Für den Rest des Krieges ruhte der gesamte Sportbetrieb.

Die Gründung des TSV
Nach der Kapitulation Deutschlands im Mai 1945 übernahm die britische Militärregierung das Kommando. Der Reichsbund für Leibesübungen wurde verboten, alle Vereine aufgelöst. Trotz der desolaten Allgemeinbedingungen mit Flüchtlingsströmen, Wohnungsnot, Lebensmittel- und Brennstoffknappheit und einer weitgehend zerstörten Infrastruktur begannen sich die Vereine bald wieder zu regen. Am 5.10.1945 wurde die Uetersener Turnerschaft neu gegründet. Dabei mußten die Anordnungen der Militärregierung beachtet werden: 1. und 2. Vorsitzender durften nicht Mitglied der NSDAP, Mitglieder des Vereins nicht Parteimitglied vor dem 1.1.1933 gewesen sein. Auf der Gründungsversammlung teilte der jetzige Bürgermeister und letzte Vorsitzende der 1933 verbotenen freien Turnerschaft Heinrich Wilckens mit, daß auch deren Neugründung unmittelbar bevorstehe. Die Fußballer von Rasensport trugen bereits am 14.10.1945 ihr erstes Spiel aus, gegen eine Mannschaft der englischen Besatzer. Auf Einladung von Bürgermeister Wilckens kam es dann am 3.2.1946 zu der Versammlung der drei Vereine, mit dem oben erwähnten Ergebnis. Motiv für den Zusammenschluß war, neben den damit verbundenen großen Mitgliederzahlen und verbesserter Zahlungsfähigkeit, die Schaffung eines Vereines, in dem jede/r Mitglied werden kann, unabhängig von rassischen, politischen oder religiösen Bindungen.

Der TSV seit 1948
In der ersten Satzung des TSV von 1948 gab es noch keine Abteilungen im heutigen Sinn. Das Angebot umfasste Turnen, Fußball und Schwimmen, sowie den Spielmannszug, der sich 1969 als Musikzug der Rosenstadt Uetersen selbstständig machte. Auslöser waren Streitigkeiten mit dem Vorstand über eine Beitragserhöhung. Die Fussballabteilung war noch viele Jahre finanziell unabhängig und unterstellte sich erst spät (auf eigenen Wunsch) der „Finanzhoheit“ des TSV Vorstandes.

Von 1946 bis 1967 waren die jeweiligen Bürgenmeister (Heinrich Wilckens 1946 – 1956, Dr. Jürgen Frenzel 1956 -1967) auch Vorsitzende des TSV. Nicht zuletzt dieser engen Verzahnung mit der Stadtverwaltung verdankt Uetersen heute sein vegleichsweise großzügiges Angebot an Sportstätten. So entstand 1951 der Sportplatz Jahnstraße, 1958 die Sporthalle Jahnstraße und ein Jahr später das Rosenstadion. Auch die sportgerechte Erweiterung der Schwimmhalle (1963) fiel in diese Zeit. Später kamen noch die Turnhallen Parkstraße (1970/71, 1989), Birkenallee (1979) und Seminarstraße (1974) dazu.
An eigenen Bauvorhaben realisierte der Verein in dieser Zeit den Clubheimneubau (1971, Eigenleistung), dessen Erweiterung (1979), den dritten Sportplatz (1984), das Umkleidegebäude Jahnstraße (1987) und den Bau einer Geschäftsstelle (1991, Umbau und Erweiterung 2000).
Mit diesen erweiterten Sportmöglichkeiten stieg auch die Mitgliederzahl von 620 im Jahr 1947 über 1564 im Jahr 1964 auf heute ca. 2750. Davon sind etwa die Hälfte Kinder und Jugendliche. Der Anteil an weiblichen Mitgliedern liegt bei etwa 43 Prozent, dabei in der Turnsparte bei etwa 70 Prozent, während bei den Ballsportarten die Männer dominieren.
Im Laufe der Jahre entstanden verschiedene Sparten und dieser Entwicklung wurde auch die Satzung bis zur heutigen, gerade aktualisierten Fassung immer wieder angepasst. Neben den ursprünglichen Abteilungen Turnen, Fussball und Schwimmen entstanden die Sparten Basketball (1975), Boxen (1973), Handball (1954), Judo (1969), Tanzen (1981), Tischtennis (1948) und Volleyball (1980). Einige Sparten sind (leider) schon lange wieder aus dem Vereinsleben verschwunden. So gab es neben dem bereits erwähnten Spielmannszug, der in unabhängiger Form nach wie vor existiert und dem Verein freundschaftlich verbunden ist, seit 1953 eine Fechtabteilung (bis Mitte der 60er Jahre), ab 1984 für einige Jahre ein Radsportabteilung und 1987 für kurze Zeit eine Baseballsparte.
Auch innerhalb der bestehenden Abteilungen hat sich das Angebot seit der Gründungszeit stark verändert. Natürlich wird bei den Fussballern nach wie Fussball und bei den Handballern nach wie vor Handball gespielt, aber beide Sparten bieten heute auch kindgerechte Einführungen in die Ballsportart für Kinder ab vier Jahren an. In der Schwimmsparte wird seit 1969 auch Wasserball gespielt und seit seit 1992 Wassergymnastik angeboten. In der Sparte Turnen wurde seit den Anfängen neben dem klassischen Turnen auch Leichtathletik und Faustball angeboten. Dazu kamen im Laufe der Jahre Gymnastik und Coronarsport (unter ärztlicher Kontrolle). In den letzten Jahren sind „Trendsportarten“ wie Fitness, Inline-Skating und Walking dazugekommen.
Das auch die Zukunft des TSV Uetersen nicht langweilig werden wird, hat gerade die jüngere Geschichte seit 1998 gezeigt. Fand während der 100-Jahr Feierlichkeiten noch der symbolische erste Spatenstich für eine neue Gymnastikhalle neben dem Clubheim statt, führte zwei Jahre später das Scheitern dieses Bauvorhabens an finanziellen Risiken zur Abspaltung eines Teils der Turnsparte, und zur Gründung eines neuen Vereins. Ein Jahr später wurde, anläßlich einer Personalentscheidung des Fußballvorstands, der schon lange geplante türkische Fussballverein gegründet.
Wir TSVer sind jedenfalls nach wie vor davon überzeugt, daß die Entscheidung von 1946, einen mitgliederstarken Verein für alle anzubieten, ungeachtet politischer, kultureller oder religiöser Zugehörigkeit, durchaus Zukunft hat. Die aktuellen Mitgliederzahlen scheinen uns recht zu geben.

Die Sportanlagen des TSV Uetersen
Diese kurze Zusammenfassung basiert vor allem auf dem Beitrag von Kurt Matthes für die Festschrift des TSV zum 100jährigen Bestehen von 1998, der auch die Fotos und die kursiv gedruckten Passagen entnommen wurden.

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